Red Dead RP – Einen eigenen Charakter erstellen
Die Charaktererstellung ist einer der wichtigsten Schritte, bevor du richtig ins Roleplay einsteigst. Du erstellst dabei nicht einfach nur eine Spielfigur, die gut aussieht und einen Namen bekommt. Du erschaffst eine Person, die später in der Welt lebt, mit anderen Menschen spricht, Entscheidungen trifft, Fehler macht und ihre eigene Geschichte entwickelt. Gerade am Anfang kann man dabei schnell den Fehler machen, sich viel zu viele Gedanken zu machen oder direkt eine riesige Geschichte für seinen Charakter zu schreiben. Das ist aber gar nicht notwendig. Ein guter Charakter muss keine zwanzig Seiten Hintergrundgeschichte haben. Viel wichtiger ist, dass du ungefähr weißt, wer dein Charakter ist, woher er kommt, wie er tickt und warum er überhaupt dort ist, wo du ihn spielst.
Dabei solltest du bereits bei der Erstellung darauf achten, dass dein Charakter zum jeweiligen Server und dessen Zeitperiode passt. Ein Charakter auf einem Server, der beispielsweise im Jahr 1887 spielt, wird möglicherweise anders aussehen, andere Möglichkeiten haben und einen anderen Hintergrund besitzen als ein Charakter im Jahr 1899. Auch wenn Red Dead Redemption 2 dir viele Möglichkeiten bei der Gestaltung gibt, bedeutet das nicht automatisch, dass alles davon zu jeder Zeit oder zu jedem Charakter passt.
Name und äußeres Erscheinungsbild
Am Anfang stehen meistens der Name und das äußere Erscheinungsbild deines Charakters. Beim Namen solltest du dir ruhig etwas Zeit lassen. Dein Charakter wird diesen Namen vermutlich sehr lange tragen und andere Spieler werden dich irgendwann genau mit diesem Namen verbinden. Der Name sollte deshalb zum Charakter, zu seiner Herkunft und zur jeweiligen Zeit passen. Ein moderner Name, ein Meme-Name oder der Name einer bekannten Person passt normalerweise nicht in die Welt eines historischen Western-RPs. Auch bekannte Figuren aus Red Dead Redemption oder anderen Filmen und Spielen solltest du nicht einfach übernehmen. Dein Charakter sollte eine eigene Person sein und nicht einfach eine Kopie von Arthur Morgan, John Marston oder irgendeiner anderen bekannten Figur.
Beim Aussehen gilt grundsätzlich dasselbe. Natürlich darf dein Charakter gut aussehen, aber er muss nicht wie ein Hollywoodstar aussehen. Überlege lieber, was sein Aussehen über ihn erzählt. Hat er schon viele Jahre körperlich gearbeitet? Dann kann er entsprechende Spuren davon tragen. Hat er viel Zeit draußen verbracht? Dann darf man ihm das ansehen. Ist er wohlhabend und legt großen Wert auf sein Auftreten? Dann kann sich das in seiner Kleidung und seinem gepflegten Erscheinungsbild zeigen. Auch Kleidung sollte nicht einfach nur danach ausgewählt werden, was dir persönlich am besten gefällt. Sie sollte zum Charakter, zu seiner gesellschaftlichen Stellung, seinem Beruf und natürlich zur gespielten Zeit passen. Ein einfacher Arbeiter wird sich normalerweise anders kleiden als ein wohlhabender Geschäftsmann. Das Aussehen ist damit nicht nur Dekoration, sondern kann bereits ein Teil der Geschichte deines Charakters sein.
Herkunft und Geschichte
Danach solltest du dir Gedanken über die Herkunft deines Charakters machen. Woher kommt er und wie hat sein bisheriges Leben ausgesehen? Auch hier brauchst du keine komplette Lebensgeschichte von der Geburt bis zum ersten Tag auf dem Server zu schreiben. Ein paar grundlegende Gedanken reichen zunächst völlig aus. Wo wurde dein Charakter geboren? Wie ist er aufgewachsen? Was hat er bisher gemacht? Hat er Familie oder Freunde? Hat er etwas zurückgelassen? Und vor allem: Warum ist er jetzt dort, wo du ihn spielen möchtest?
Gerade diese letzte Frage ist wichtig. Wenn dein Charakter beispielsweise einfach nur aus New York nach Saint Denis gekommen ist, hast du zwar eine Herkunft, aber noch keinen wirklichen Grund dafür. Vielleicht ist er wegen einer Arbeitsmöglichkeit gekommen. Vielleicht wollte er seiner Familie entkommen. Vielleicht hat er Schulden. Vielleicht sucht er jemanden. Vielleicht hat er von einer Möglichkeit gehört, sich dort ein neues Leben aufzubauen. Es muss dabei nicht immer eine dramatische Geschichte sein. Ein Mensch kann auch einfach umziehen, weil er sich ein besseres Leben erhofft. Gerade solche einfachen Gründe können später interessante Geschichten entstehen lassen.
Du solltest außerdem darauf achten, deinem Charakter nicht von Anfang an jede Fähigkeit und jede Erfahrung zu geben, die es überhaupt gibt. Ein Charakter, der gleichzeitig hervorragender Arzt, Meisterschütze, begnadeter Geschäftsmann, ehemaliger Kopfgeldjäger, ausgebildeter Anwalt und professioneller Reiter ist, wirkt schnell unglaubwürdig. Menschen haben normalerweise Bereiche, in denen sie gut sind, und andere, in denen sie weniger können. Genau das gibt deinem Charakter später die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und neue Dinge zu lernen.
Charaktereigenschaften, Stärken und Schwächen
Noch wichtiger als die Vergangenheit ist die Frage, wie dein Charakter eigentlich als Mensch ist. Überlege dir nicht nur, was er kann, sondern vor allem, wie er sich gegenüber anderen Menschen verhält. Ist er freundlich oder eher verschlossen? Ist er ruhig oder schnell reizbar? Ist er hilfsbereit oder denkt er zuerst an sich selbst? Vertraut er anderen Menschen schnell oder braucht es lange, bis er jemanden an sich heranlässt? Hat er bestimmte Ängste oder schlechte Erfahrungen gemacht?
Ein häufiger Fehler bei der Charaktererstellung ist, nur positive Eigenschaften einzubauen. Natürlich möchte jeder gerne einen mutigen, cleveren, sympathischen und erfolgreichen Charakter spielen. Genau dadurch werden Charaktere aber schnell langweilig. Dein Charakter darf Schwächen haben. Vielleicht ist er ein hervorragender Händler, kann aber überhaupt nicht mit einer Waffe umgehen. Vielleicht ist er sehr selbstbewusst, bekommt aber Probleme, wenn er vor einer größeren Menschenmenge sprechen muss. Vielleicht ist er mutig, hat aber Angst vor Pferden. Vielleicht ist er freundlich zu jedem Fremden und lässt sich dadurch leicht ausnutzen.
Solche Eigenschaften geben dir später etwas, worauf du im RP aufbauen kannst. Ein Charakter mit Schwächen bietet anderen Spielern automatisch Möglichkeiten, mit ihm zu interagieren. Vielleicht versucht jemand, seine Gutmütigkeit auszunutzen. Vielleicht hilft ihm jemand dabei, seine Angst zu überwinden. Vielleicht führt eine bestimmte Schwäche immer wieder zu Problemen. Aus solchen Situationen können sich ganz von selbst längere RP-Geschichten entwickeln.
Dabei solltest du auch nicht versuchen, deinen Charakter komplett durchzuplanen. Du kannst festlegen, dass er beispielsweise sehr misstrauisch ist, aber vielleicht stellst du nach einigen Wochen fest, dass sich dieses Verhalten durch das RP verändert. Genau das ist vollkommen in Ordnung. Dein Charakter soll sich weiterentwickeln und nicht für immer genau so bleiben, wie du ihn am ersten Tag erstellt hast.
Ziele und Motivation
Zum Schluss solltest du dir Gedanken darüber machen, was dein Charakter eigentlich vom Leben möchte. Ein Charakter ohne irgendeine Motivation kann schnell dazu führen, dass du selbst nicht weißt, was du mit ihm machen möchtest. Dabei muss das Ziel nicht besonders groß oder außergewöhnlich sein. Vielleicht möchte dein Charakter genug Geld verdienen, um irgendwann eine eigene kleine Farm zu besitzen. Vielleicht möchte er ein Geschäft eröffnen, eine Familie gründen oder sich einen Namen machen. Vielleicht möchte er seine Vergangenheit hinter sich lassen oder jemanden finden, den er schon lange nicht mehr gesehen hat.
Es kann genauso gut sein, dass dein Charakter selbst noch nicht genau weiß, was er aus seinem Leben machen möchte. Auch das ist ein guter Ausgangspunkt. Nicht jeder Mensch hat einen großen Plan für seine Zukunft. Manchmal entsteht dieser erst dadurch, dass man neue Menschen kennenlernt und neue Möglichkeiten bekommt.
Wichtig ist, dass du deinem Charakter Ziele gibst, aber nicht seinen kompletten Lebensweg festlegst. Wenn du bereits vorher entscheidest, welche Freunde er haben wird, welches Geschäft er besitzt, welche Feinde er bekommt und wie seine Geschichte in einem halben Jahr aussehen soll, nimmst du dir einen großen Teil dessen, was Roleplay eigentlich interessant macht.
Vielleicht möchte dein Charakter ursprünglich nur als einfacher Arbeiter anfangen und lernt später jemanden kennen, der ihm eine Geschäftsmöglichkeit anbietet. Vielleicht wird aus einer zufälligen Bekanntschaft eine Freundschaft. Vielleicht wird aus einer Freundschaft irgendwann eine Feindschaft. Vielleicht scheitert dein Charakter mit seinem ersten Geschäft und muss wieder ganz von vorne anfangen. Vielleicht entwickelt sich sein ursprüngliches Ziel durch die Ereignisse auf dem Server sogar komplett in eine andere Richtung.
Genau daraus entsteht langfristiges RP.
Du solltest deshalb nicht versuchen, bereits bei der Charaktererstellung die gesamte Geschichte zu schreiben. Du legst die Grundlage für deinen Charakter fest, aber was danach passiert, sollte sich durch das Roleplay entwickeln. Andere Spieler, ihre Charaktere und die Situationen, in die du gerätst, werden deine Geschichte genauso beeinflussen wie deine eigenen Entscheidungen.
Am Ende sollte dein Charakter deshalb nicht einfach nur eine Figur sein, die du durch die Spielwelt bewegst. Er sollte eine eigene Persönlichkeit, eine Vergangenheit, Wünsche, Stärken und Schwächen besitzen. Du musst dabei nicht jede Kleinigkeit vorher festlegen. Es reicht, wenn du eine Vorstellung davon hast, wer diese Person ist und warum sie sich auf den Weg gemacht hat, den du mit ihr spielen möchtest.
Während des Spiels kannst du dir dann immer wieder eine einfache Frage stellen:
„Wie würde mein Charakter in dieser Situation reagieren?“
Nicht du als Spieler und nicht das, was für dich gerade am praktischsten wäre, sondern die Person, die du erschaffen hast.
Denn genau dort beginnt Charakter-RP.
