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Einstieg & Grundlagen

Kleidung im Red Dead RP

Ein kurzer Einstiegsguide zum Thema Kleidung im RP

𝕁𝕚𝕟𝕛𝕖𝕣17. Oktober 2026Revision 3

Stellt euch einmal vor, wir schreiben das Jahr 1899. Ihr steht morgens auf, zieht euch an und geht aus dem Haus. Ihr habt nicht den Kleiderschrank voll mit zwanzig Hosen, zehn Jacken und einem ganzen Regal voller Hemden. Kleidung war damals etwas, das man sich nicht einfach ständig neu gekauft hat. Man hatte einige wenige Kleidungsstücke, trug sie über lange Zeit, reparierte sie und passte sie immer wieder an.

Und jetzt schaut euch einmal einen Menschen auf der Straße an. Was könnt ihr über ihn erkennen, ohne überhaupt mit ihm gesprochen zu haben? Vielleicht seht ihr seine Kleidung, seinen Zustand, seine Schuhe, seinen Hut und auch die Farben. Schon daran konnte man damals einiges über einen Menschen erkennen. Woher er ungefähr kam, welchem Beruf er nachging, ob er eher arm oder wohlhabend war und ob er gerade arbeitet oder zu einem besonderen Anlass unterwegs ist.

Kleidung musste zum Leben passen

Ein Arbeiter, Rancher oder Stallknecht wird sich anders kleiden als ein Geschäftsmann, Arzt oder Anwalt. Wer den ganzen Tag draußen arbeitet, braucht robuste Kleidung. Eine einfache Hose aus Wolle oder Baumwolle, ein Hemd, vielleicht eine Weste, gute Stiefel und einen praktischen Hut. Diese Kleidung darf gebraucht aussehen. Sie darf Staub und Gebrauchsspuren haben. Schließlich arbeitet der Mensch darin.

Ein Geschäftsmann oder Arzt dagegen konnte sich bessere Stoffe, saubere Kleidung und einen ordentlich sitzenden Mantel oder Anzug leisten. Das bedeutete nicht automatisch, dass er reich war, aber seine Kleidung konnte zeigen, dass er einen anderen Platz in der Gesellschaft hatte und nicht jeden Tag körperlich arbeiten musste.

Auch eine Weste konnte dabei schon einen Unterschied machen. Ein Arbeiter konnte seine einfache Arbeitskleidung tragen, aber wenn er zu einem besonderen Anlass seine saubere Weste anzog, machte das bereits einen anderen Eindruck.

Bei Frauen war die Kleidung noch stärker von den damaligen gesellschaftlichen Vorstellungen geprägt. Im Alltag und in der Öffentlichkeit waren Kleider und Röcke die normale Kleidung. Hosen waren für Frauen zwar nicht völlig unbekannt, aber als normale Straßenkleidung eher ungewöhnlich. Wer körperlich arbeitete, konnte natürlich praktische Kleidung tragen, aber auch hier sollte man sich fragen, ob das Gesamtbild für das Jahr 1899 passt.


Und dann kommt die Farbe dazu

Jetzt stellt euch einmal die Straßen einer Stadt im Jahr 1899 vor. Welche Farben würdet ihr dort erwarten?

Natürlich gab es damals nicht nur Braun und Grau. Menschen konnten durchaus farbige Kleidung tragen. Dunkelblau, Grün, Bordeaux, Rot, Beige, Creme, Braun, Grau oder verschiedene andere gedeckte Farbtöne waren völlig normal. Auch kräftigere Farben waren möglich, gerade bei Damenkleidern oder besserer Kleidung.

Der entscheidende Punkt ist aber: Die Farben sollten zum damaligen Erscheinungsbild passen.

Ein dunkles Rot, ein tiefes Blau oder ein kräftiges Grün kann problemlos in das Jahr 1899 passen. Auch ein schönes Bordeaux oder ein warmes Gelb kann funktionieren, wenn es zum Kleidungsstück und zum restlichen Outfit passt. Gerade bei Frauenkleidern konnte man deutlich mehr Farbe und auch Muster sehen.

Was dagegen schnell unpassend wirkt, sind moderne Neonfarben oder extrem leuchtende Farbtöne. Ein Neonpink, Neonorange, Leuchtgrün oder ein künstlich wirkendes Türkis würde in einer normalen Bevölkerung des Jahres 1899 sehr schnell herausstechen. Nicht weil Menschen damals keine bunten Farben kannten, sondern weil die gesamte Wirkung dieser modernen, extrem leuchtenden Farben nicht in das damalige Straßenbild passt.

Man sollte sich deshalb nicht nur fragen: „Gab es diese Farbe damals?“ Sondern eher: „Würde diese Farbe an diesem Kleidungsstück und an dieser Person im Jahr 1899 natürlich wirken?“

Das macht einen großen Unterschied.


Schwarz ist nicht gleich Krimineller

Und gerade bei Schwarz sollte man noch einmal genauer hinschauen. Schwarz wird im RP sehr gerne mit Gangstern, Banden und Kriminellen verbunden. Schwarzer Mantel, schwarzes Hemd, schwarze Hose, schwarze Stiefel, schwarzer Hut und am besten noch eine schwarze Maske und schon soll jeder wissen: Das ist ein Verbrecher.

Wenn wir uns aber tatsächlich das Jahr 1899 vorstellen, funktioniert diese Vorstellung so nicht.

Schwarz war eine ganz normale und wichtige Farbe. Männer konnten schwarze Anzüge, Mäntel oder Hüte tragen. Auch bei formeller Kleidung spielte Schwarz eine große Rolle. Und natürlich war Schwarz besonders bei Trauerkleidung verbreitet. Eine Witwe oder jemand, der sich in Trauer befand, konnte über längere Zeit schwarze Kleidung tragen.

Schwarz war also keine „Gangsterfarbe“.

Natürlich kann ein Krimineller schwarze Kleidung tragen. Genauso kann er aber Braun, Grau, Dunkelblau, Beige oder jede andere passende Farbe tragen. Ein Verbrecher musste nicht schon von weitem wie ein Verbrecher aussehen.

Gerade im Crime-RP sollte man sich deshalb überlegen, ob es wirklich sinnvoll ist, einen Charakter komplett schwarz anzuziehen, nur damit jeder sofort erkennt, dass er zur kriminellen Seite gehört. Ein Mensch, der einen Überfall plant, hätte schließlich eher einen Grund, nicht aufzufallen.

Ein Arbeiter, Händler oder Reisender kann sich viel einfacher unter andere Menschen mischen. Vielleicht trägt er seine ganz normale Kleidung und verändert sein Aussehen erst für eine bestimmte Tat. Vielleicht wird ein Mantel danach gewechselt oder weggeworfen. Vielleicht wird nur für einen Überfall das Gesicht verdeckt.

Auch eine Maske sollte einen Grund haben. Wenn ein Charakter jeden Tag mit einer Maske durch die Stadt läuft, ist sie irgendwann keine Tarnung mehr, sondern ein Erkennungszeichen. Die Leute würden ihn vielleicht gerade deshalb wiedererkennen.

Das bedeutet nicht, dass eine Bande keine gemeinsamen Farben oder bestimmte Kleidungsstücke haben darf. Natürlich kann es solche Gemeinsamkeiten geben. Aber fünf Männer, die von Kopf bis Fuß exakt gleich schwarz gekleidet sind, wirken schnell eher wie eine moderne Gang mit Uniform als wie eine Gruppe von Menschen im Jahr 1899.


Das Korsett gehört unter die Kleidung

Bei Frauen gibt es noch einen Punkt, den man sich einmal vor Augen halten sollte: das Korsett.

Ein Korsett war in erster Linie ein Kleidungsstück der Unterwäsche. Es wurde unter dem eigentlichen Kleid getragen und sollte den Körper formen und dafür sorgen, dass die darüber getragene Kleidung richtig sitzt. Es war also nicht dafür gedacht, wie ein modernes Oberteil einfach über dem Kleid oder alleine auf der Straße getragen zu werden.

Natürlich bedeutet das nicht, dass eine Frau niemals ohne vollständig angezogene Kleidung gesehen werden konnte. Zu Hause, beim Umkleiden oder in privaten Situationen sah die Sache selbstverständlich anders aus. Aber wenn wir uns eine Frau vorstellen, die 1899 durch die Stadt läuft, sollte das Korsett nicht wie ein modernes Top als normale Oberbekleidung getragen werden.


Kleidung durfte benutzt aussehen

Jetzt stellt euch noch einmal den Arbeiter vor, der morgens seine Hose anzieht. Diese Hose ist vielleicht schon einige Jahre alt. Sie wurde gewaschen, geflickt und an manchen Stellen ausgebessert. Die Farbe ist vielleicht nicht mehr so kräftig wie am Anfang. Die Stiefel sind abgetragen und der Hut hat ebenfalls schon einiges mitgemacht.

Das ist kein Fehler, sondern genau das, was man erwarten kann.

Kleidung wurde damals nicht einfach weggeworfen, nur weil sie nicht mehr perfekt aussah. Gute Kleidungsstücke konnten viele Jahre getragen werden. Sie wurden weitergegeben, verändert oder für andere Zwecke verwendet. Deshalb darf Kleidung im RP ruhig Gebrauchsspuren haben. Gerade bei einfachen Leuten gehört das sogar zum Charakterbild.

Gleichzeitig konnte derselbe Mensch zu einem besonderen Anlass seine beste Kleidung tragen. Der Rancher, der den ganzen Tag schmutzig von der Arbeit kommt, kann am Sonntag in sauberer Kleidung zur Kirche gehen. Der Arbeiter kann für einen wichtigen Termin seine beste Weste anziehen. Man sollte also nicht nur fragen, welchen Beruf jemand hat, sondern auch, was er gerade vorhat.


Kleidung erzählt eine Geschichte

Und genau darum geht es eigentlich.

Wenn ihr einen Charakter erstellt, stellt euch nicht einfach die Frage: „Was sieht cool aus?“ Fragt euch lieber: Woher kommt dieser Mensch? Was arbeitet er? Wie viel Geld hat er? Wie lebt er? Welche Kleidung kann er sich leisten? Trägt er seine Sachen, bis sie auseinanderfallen, oder legt er Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild?

Auch die Farben können dabei helfen. Ein einfacher Arbeiter wird vielleicht eher in gedeckten und praktischen Farben unterwegs sein. Eine wohlhabende Frau kann sich bessere Stoffe und auffälligere Farben leisten. Ein Geschäftsmann kann auf dunkle, gut abgestimmte Kleidung setzen. Und jemand, der gerade von der Arbeit kommt, darf natürlich anders aussehen als jemand, der gerade zu einem wichtigen gesellschaftlichen Anlass geht.

Beim Crime-RP sollte man sich genauso fragen, ob die Kleidung zur Geschichte des Charakters passt. Ein Krimineller muss nicht wie ein Krimineller aussehen. Vielleicht sieht er aus wie jeder andere Mensch auf der Straße. Vielleicht ist genau das seine Tarnung.

Es geht dabei nicht darum, jede Kleinigkeit perfekt zu machen. Niemand muss für jedes Kleidungsstück nachschauen, welcher Farbstoff 1899 genau verwendet wurde. Wichtig ist das Gesamtbild.

Stellt euch einfach vor, ihr würdet tatsächlich im Jahr 1899 auf dieser Straße stehen. Würde euch dieser Mensch dort ganz normal vorkommen? Oder würde er aussehen, als wäre er gerade aus der heutigen Zeit dort hineingelaufen?

Wenn wir uns diese Frage bei der Kleidung immer wieder stellen, kommen wir schon ziemlich nah an ein glaubwürdiges Erscheinungsbild für das RP.


Die Kleidung und ihre Region

Doch nicht nur die Zeit und der gesellschaftliche Stand spielen bei der Kleiderwahl eine Rolle, sondern auch die Region, in der sich euer Charakter aufhält.

Stellt euch vor, ihr seid in den verschneiten Bergen von Ambarino unterwegs. Würdet ihr dort wirklich nur mit einem Hemd herumlaufen? Oder in der heißen Wüste von New Austin einen dicken Ledermantel tragen? Vermutlich nicht.

Achtet darauf, dass eure Kleidung zum Klima und zur Umgebung passt. In den Bergen sind warme Mäntel, dicke Stoffe und Handschuhe sinnvoll, während in der Wüste leichtere Kleidung, ein Hut und ein Tuch gegen Sonne und Staub wesentlich passender sind. In Saint Denis darf es für einen wohlhabenden Geschäftsmann hingegen gerne ein gepflegter Anzug sein, während ein Feldarbeiter eher praktische und robuste Kleidung trägt. Fragt euch also nicht nur, ob euer Outfit gut aussieht, sondern auch, ob es für euren Charakter, seine Tätigkeit und die jeweilige Region im Jahr 1899 sinnvoll ist. Denn auch solche Kleinigkeiten machen euer RP glaubwürdiger und lebendiger.