Kräutersammler, Wundversorger und sonderbarer Heiler
Geboren im Jahre des Herrn 1448
Herkunft
Edmund Crowe wurde im Frühjahr des Jahres 1448 in einem kleinen Dorf am Rand der englischen Grafschaft Yorkshire geboren. Sein Vater, Thomas Crowe, war ein Fuhrknecht und Gelegenheitsarbeiter, der sich mit kleinen Transporten, Reparaturen und allerlei Botengängen über Wasser hielt. Seine Mutter, Agnes, verkaufte auf dem Markt Eier, getrocknete Kräuter, Talglichter und einfache Salben.
Die Familie war arm und genoss keinen besonderen Ruf. Die Crowes lebten am äußersten Rand des Dorfes in einem schiefen, feuchten Haus nahe dem Wald. Die anderen Dorfbewohner mieden sie nicht völlig, hielten sie aber für sonderbar. Agnes sprach oft mit sich selbst, sammelte bei Vollmond Pflanzen und behauptete, manche Kräuter würden besser wachsen, wenn man ihnen vorsinge.
Edmund war schon als Kind ein merkwürdiger Junge. Er sprach wenig, und wenn er sprach, blieb er häufig an einzelnen Worten hängen.
„D-d-das ist kein Unkraut. Das ist B-B-Brennnessel.“
Andere Kinder machten sich über ihn lustig. Sie nannten ihn Krähenjunge, Krüppelzunge oder Waldnarr. Edmund reagierte selten darauf. Meistens starrte er sie nur so lange an, bis sie sich unwohl fühlten.
Er verbrachte seine Zeit lieber bei seiner Mutter, im Wald oder auf den feuchten Wiesen hinter dem Dorf. Dort lernte er, welche Pflanzen man essen konnte, welche bei Wunden halfen und welche besser nicht berührt oder in den Mund genommen wurden.
Agnes war keine gelehrte Frau. Sie konnte kaum lesen und besaß keine Bücher. Ihr Wissen stammte aus Erzählungen, Beobachtungen und alten Gewohnheiten. Sie wusste, welche Blätter man auf einen Insektenstich legte, welche Wurzeln man gegen Bauchschmerzen kochte, welche Pflanzen man niemals mit bloßen Händen aus dem Boden riss und welche Kräuter man nur bei bestimmten Mondständen sammeln durfte.
Edmund glaubte nicht an alles, was seine Mutter sagte. Aber er merkte sich alles.
Während andere Jungen mit Holzschwertern spielten oder ihren Vätern bei der Arbeit halfen, hockte Edmund im Schlamm und untersuchte Käfer, Pilze und verfaulte Äste. Er stellte Fragen, die niemand beantworten konnte. Warum wurde eine Wunde schwarz? Warum starb ein Tier, nachdem es bestimmte Beeren gefressen hatte? Warum heilte eine Verletzung manchmal von selbst und manchmal nicht? Warum roch ein kranker Mensch anders als ein gesunder?
Seine Mutter sagte eines Tages zu ihm:
„Wenn du die Welt verstehen willst, Junge, dann hör auf, sie anzusehen wie ein Mensch. Sieh sie an wie eine Krähe.“
Edmund wusste nie genau, was sie damit meinte. Er versuchte es trotzdem.
Die Jahre bei den Mönchen
Als Edmund vierzehn Jahre alt war, schickte sein Vater ihn in ein nahegelegenes Kloster. Nicht aus Frömmigkeit, sondern weil zu Hause ein Mund zu viel war. Edmund sollte dort in den Ställen arbeiten, Holz hacken und Wasser tragen.
Die Mönche mochten ihn zunächst nicht besonders. Er war schmutzig, sprach undeutlich, wich Blicken aus und hatte die unangenehme Angewohnheit, Dinge einzustecken, die andere Menschen lieber nicht in seiner Tasche sehen wollten.
Einmal fand Bruder Hugh eine tote Ratte in Edmunds Bett. Edmund erklärte, er habe sie „beobachten“ wollen. Niemand fragte, was genau er dabei hatte beobachten wollen.
Im Kräutergarten des Klosters fand Edmund jedoch einen Ort, an dem er geduldet wurde. Der alte Bruder Anselm kümmerte sich dort um Salbei, Minze, Fenchel, Kamille, Thymian, Wermut und andere Pflanzen. Er war kein großer Gelehrter, aber er besaß Erfahrung und ein gutes Gedächtnis.
Bruder Anselm bemerkte bald, dass Edmund Pflanzen nicht nur sammelte. Er roch an ihnen, zerrieb sie zwischen den Fingern, legte sie auf die Zunge, beobachtete, wie Tiere auf sie reagierten, und manchmal sprach er sogar mit ihnen.
„D-d-du bist nicht tot. Nur beleidigt.“
Bruder Anselm hielt Edmund für einen sonderbaren Jungen. Aber er erkannte auch, dass der Junge ein ungewöhnliches Gespür für Pflanzen besaß.
Edmund lernte, wann man Blätter, Blüten, Wurzeln und Samen sammeln musste. Er lernte, welche Kräuter getrocknet werden konnten und welche frisch verarbeitet werden mussten. Aus Büchern lernte er jedoch nicht viel. Lateinische Texte machten ihn nervös. Die Buchstaben verschwammen vor seinen Augen, und wenn er versuchte, längere Sätze zu lesen, begann er stärker zu stottern.
Er konnte einige Wörter entziffern, doch die meisten seiner Kenntnisse stammten nicht aus Schriften. Sie stammten aus Gerüchen, Farben, Erinnerungen und Fehlern.
Edmund vergaß selten eine Pflanze, die ihm geschadet hatte. Noch seltener vergaß er eine Pflanze, die jemand anderen getötet hatte.
Der erste Tod
Als Edmund ungefähr zwanzig Jahre alt war, wurde ein nahegelegenes Dorf von einer schweren Krankheit heimgesucht. Viele Menschen litten unter Fieber, Schwäche und Durchfall. Einige hatten Ausschlag, andere husteten Blut. Die Dorfbewohner waren überzeugt, dass entweder ein Fluch, eine Strafe Gottes oder ein vergifteter Brunnen die Ursache war.
Edmund wurde mit einigen anderen Helfern in das Dorf geschickt. Er brachte Wasser, sammelte Kräuter, kochte Brühen, wusch Tücher aus und wechselte Verbände. Er schlief kaum.
Ein kleines Mädchen namens Alice lag drei Tage lang in einem dunklen Raum nahe dem Herd. Edmund saß neben ihr und versuchte, ihr Wasser einzuflößen. Am vierten Morgen war sie tot.
Edmund blieb noch lange neben dem Bett sitzen. Als man ihn fortschicken wollte, biss er dem Mann, der ihn am Arm packte, in die Hand. Danach sprach er mehrere Tage kaum.
Zum ersten Mal verstand er, dass Wissen nicht dasselbe war wie Macht. Er konnte beobachten, versuchen und lindern. Aber er konnte den Tod nicht überlisten.
Seitdem verspricht Edmund keinem Kranken, dass er ihn retten könne. Wenn jemand ihn fragt: „Werdet Ihr mich heilen?“, antwortet er meistens:
„I-ich weiß es nicht. Aber ich kann versuchen, dass Ihr nicht so schrecklich leidet.“
Manchmal fügt er hinzu:
„Das ist mehr, als die meisten versprechen sollten.“
Der Weg in die Welt
Mit ungefähr fünfundzwanzig Jahren verließ Edmund das Kloster. Er ging nicht im Streit. Die Mönche waren einfach froh, ihn loszuwerden.
Edmund hatte begonnen, nachts im Kräutergarten zu schlafen. Er behauptete, die Pflanzen würden dort weniger frieren als in den Beeten. Außerdem hatte er mehrere Hühner des Klosters mit einer selbstgemachten Salbe eingerieben, woraufhin sie für zwei Tage keine Eier mehr legten.
Edmund zog durch Dörfer, kleine Städte und entlang der Handelswege. Er arbeitete für Bader, Hebammen, Feldscher und andere Heiler. Manchmal wurde er bezahlt, manchmal bekam er nur Brot, und manchmal durfte er in einem Stall schlafen.
Er lernte von jedem, auch wenn er viele der Menschen, für die er arbeitete, nicht mochte. Er begegnete Männern, die für jede Krankheit dasselbe Mittel verkauften, Frauen, die behaupteten, mit einem Trank jede Krankheit heilen zu können, Badern, die mehr Wert auf ihre scharfen Messer als auf saubere Hände legten, und Quacksalbern, die sich mit fremden Titeln schmückten.
Edmund verachtete sie.
Er selbst verlangte nur wenig. Wer bezahlen konnte, gab ihm Münzen. Wer nichts hatte, brachte Eier, Brot, Wolle oder ein Stück Speck. Manchmal nahm Edmund auch Dinge an, die niemand sonst haben wollte: eine kaputte Laterne, ein altes Messer oder eine tote Krähe.
Er behauptete, Krähen seien „ausgezeichnete Lehrmeister“.
Der Wundversorger
Edmund wurde nie ein angesehener Wundarzt. Dafür war er zu unzuverlässig gekleidet, zu schwer verständlich und zu eigenartig. Aber er wurde gut darin, Verletzungen zu versorgen.
Er behandelte Schnittwunden, Verbrennungen, Prellungen, Verstauchungen, Bisswunden sowie Pfeil- und Messerverletzungen. Er wusste, wie man Wunden auswusch, Verbände anlegte und Schwellungen behandelte. Er konnte einfache Salben herstellen und erkannte oft, wenn eine Wunde gefährlich wurde.
Seine Methoden wirkten auf viele Menschen seltsam. Er roch an Verbänden, betrachtete die Farbe von Wundflüssigkeit und legte manchmal ein Ohr an den Bauch eines Kranken. Dabei murmelte er Zahlen oder Namen von Heiligen.
Wenn man ihn fragte, was er tue, antwortete er:
„Z-z-zählen.“
„Was zählt Ihr?“
„D-d-das, was sich verändert.“
Seine Hände waren rau und voller kleiner Narben. Seine Fingernägel waren fast immer von Erde, Ruß oder getrockneten Pflanzen verfärbt. Seine Kleidung roch nach Rauch, Kräutern, Talg, feuchtem Leder und manchmal nach Dingen, die niemand genauer benennen wollte.
Trotzdem suchten ihn viele Menschen auf. Nicht, weil sie ihn mochten, sondern weil er häufig bemerkte, was andere übersahen.
Seine Eigenarten
Edmund ist ein sonderbarer Mann. Er stottert besonders dann, wenn er müde, wütend oder aufgeregt ist. Bei manchen Worten bleibt er so lange hängen, dass sein Gegenüber glaubt, er habe vergessen, was er sagen wollte.
Wenn er nervös ist, zählt er seine Finger. Wenn er lügt, kratzt er sich am linken Ohr. Wenn er Angst hat, beginnt er zu summen. Er schläft schlecht und spricht manchmal im Schlaf.
Edmund sammelt Federn, Knochen, getrocknete Insekten und ungewöhnlich geformte Steine. In seiner Hütte hängen Bündel aus Kräutern von der Decke. Zwischen ihnen befinden sich tote Mäuse, Vogelschädel und kleine Holzfiguren, die er selbst geschnitzt hat.
Edmund behauptet, die Krähen in seiner Umgebung würden ihn erkennen. Vielleicht stimmt das. Vielleicht füttert er sie einfach nur regelmäßig.
Er führt Selbstgespräche und gibt manchen Pflanzen Namen. Eine besonders krumme Weide nennt er „Lady Margaret“. Einem alten Pilzstamm hat er den Namen „Bischof“ gegeben.
Wenn jemand ihn dabei erwischt, wie er mit einer Pflanze spricht, wird er nicht verlegen. Er sagt dann:
„S-s-sie hört besser zu als Ihr.“
Sein Glaube
Edmund glaubt an Gott, aber sein Glaube ist nicht ordentlich oder gelehrt. Er kennt einige Gebete, verwechselt jedoch manchmal die Worte. In schwierigen Situationen spricht er lieber mit Heiligen, Toten oder seinen eigenen Kräutern, bevor er eine Kirche betritt.
Er trägt ein kleines, abgenutztes Kreuz um den Hals. Es gehörte seiner Mutter.
Edmund betet vor einer Behandlung, aber nicht immer auf herkömmliche Weise. Manchmal murmelt er:
„Herr, wenn das hier falsch ist, dann gib mir bitte ein Zeichen.“
Wenn danach ein Vogel gegen das Fenster fliegt, betrachtet er das als Antwort.
Geistlichen gegenüber ist er misstrauisch. Er respektiert Priester, die sich um Kranke kümmern, hält aber wenig von Männern, die jede Krankheit als Strafe Gottes bezeichnen.
Für Edmund kann ein guter Mensch krank werden. Ein schlechter Mensch kann gesund bleiben. Und manchmal stirbt ein Kind, während ein grausamer Mann noch viele Jahre lebt.
Er findet das nicht gerecht. Er hat jedoch aufgehört, Gott deswegen laut anzuschreien.
Meistens.
Sein Charakter
Edmund ist kein freundlicher Mann im gewöhnlichen Sinne. Er ist nicht höflich, nicht charmant und nicht besonders gesellig. Er kann lange schweigen, während jemand vor ihm weint. Nicht, weil es ihm egal ist, sondern weil er nicht weiß, was er sagen soll.
Er hilft Menschen oft, ohne dafür Dank zu erwarten. Wenn sie sich bedanken, wirkt er beinahe verärgert.
„D-d-dann seid eben beim nächsten Mal vorsichtiger.“
Er besitzt einen trockenen, manchmal unangenehmen Humor. Wenn jemand behauptet, eine Krankheit mit einem geheimnisvollen Trank heilen zu können, fragt Edmund:
„Und wie viele Menschen habt Ihr damit bereits begraben?“
Wenn ein Adliger ihn grob behandelt, verbeugt er sich übertrieben tief und sagt:
„Natürlich, Mylord. Ihr habt sicher mehr Erfahrung mit Wunden als ich. Besonders mit denen, die andere Menschen tragen.“
Edmund respektiert Rang und Stand nur so lange, wie es nötig ist, um nicht geschlagen oder eingesperrt zu werden. Ein Graf kann für ihn ebenso krank sein wie ein Bettler. Eine Wunde bleibt eine Wunde, und Blut sieht bei allen Menschen gleich aus.
Seine Schwächen
Edmund ist misstrauisch und schnell beleidigt. Er glaubt oft, dass andere über ihn lachen, selbst wenn sie es nicht tun. Wenn mehrere Menschen gleichzeitig mit ihm sprechen, wird er unruhig und zieht sich zurück.
Er kann nicht gut mit großen Menschenmengen umgehen. Märkte, Tavernen und Kirchen machen ihn nervös. Er hasst es, wenn jemand seine Hände berührt, und noch mehr hasst er es, wenn jemand seine Kräuter ohne Erlaubnis anfasst.
Manchmal ist er zu stolz, um Hilfe anzunehmen. Manchmal behandelt er einen Kranken zu lange selbst, weil er einem anderen Heiler nicht vertraut. Er kann sich in eine Krankheit oder eine Pflanze so sehr hineinsteigern, dass er alles andere vergisst.
Außerdem trägt er Schuld in sich. Er erinnert sich an jene Menschen, die er nicht retten konnte, besonders an Alice. Manchmal spricht er mit ihr, obwohl sie seit vielen Jahren tot ist. Er weiß, dass sie nicht antwortet.
Zumindest glaubt er das.
Sein Auftreten
Edmund trägt einfache, abgetragene Kleidung: eine zu große Wolltunika, ein fleckiges Leinenhemd, eine alte Hose, die an den Knien mehrfach geflickt wurde, und einen Mantel, der nach Rauch und Regen riecht.
Seine Stiefel sind ungleichmäßig abgelaufen, weil sein linker Fuß leicht nach innen steht. An seinem Gürtel hängen zahlreiche kleine Beutel aus Leder, Stoff und manchmal auch Tierhaut. Darin befinden sich getrocknete Kräuter, Wurzeln, Samen, Nadeln, Fäden, kleine Messer und Dinge, deren Zweck er niemandem erklärt.
Seine wichtigsten Besitztümer sind eine alte Ledertasche und ein Bündel aus zusammengebundenen Pergamentstücken. Das Bündel ist kein ordentliches Buch. Es enthält Zeichnungen, Pflanzenreste, unvollständige Sätze und merkwürdige Notizen.
Einige Einträge lauten:
„Nicht mit Milch. Niemals mit Milch.“
„Die gelben Blüten helfen gegen den Ausschlag. Die roten machen ihn schlimmer.“
„Thomas lügt. Er hat die Wunde selbst wieder geöffnet.“
„Krähen fressen kein verdorbenes Fleisch. Nur wenn sie müssen.“
„Alice hatte kalte Hände.“
Edmund kann nur langsam schreiben. Viele Wörter sind falsch geschrieben. Manche Seiten sind mit kleinen Zeichnungen von Pflanzen, Knochen oder Vögeln bedeckt.
Seine Heilkunst
Edmund behandelt vor allem kleinere und alltägliche Beschwerden. Bei Kopfschmerzen empfiehlt er Ruhe, Wasser und bestimmte Kräuteraufgüsse. Bei Magenbeschwerden setzt er auf leichte Kost, Wärme und bittere Pflanzen. Bei Wunden steht für ihn die Reinigung an erster Stelle.
Bei Prellungen und Verstauchungen nutzt er Ruhe, Hochlagerung und Umschläge. Bei Fieber versucht er, den Kranken mit Wasser, Brühe und kühlen Tüchern zu versorgen.
Er kennt keine Wunderheilungen. Er kann keine gebrochenen Knochen auf magische Weise richten, keine Pest besiegen und keinen Toten zurückholen.
Aber er erkennt oft, wann eine Wunde gefährlich wird. Er weiß, wann ein Verband gewechselt werden muss und wann ein Kranker nicht allein gelassen werden darf.
Seine Kenntnisse stammen nicht aus gelehrten Büchern, sondern aus Beobachtung, Erfahrung und Fehlern. Viele seiner Methoden wirken abergläubisch. Er hängt Kräuter über dem Bett auf, zeichnet manchmal Zeichen mit Kreide an Türen und legt bestimmte Steine neben einen Kranken.
Ob diese Dinge wirklich helfen, weiß niemand. Edmund behauptet, sie würden „die falschen Geister fernhalten“. Vielleicht glaubt er selbst daran. Vielleicht weiß er einfach, dass Menschen etwas brauchen, woran sie sich festhalten können.
Wenn ein Patient schwer krank ist, versucht Edmund, einen Bader, Wundarzt oder erfahrenen Heiler zu finden. Er tut das widerwillig, denn er vertraut anderen Menschen nicht leicht. Aber er weiß, dass Stolz einen Kranken schneller töten kann als jede Krankheit.
Sein Ruf
In den Dörfern kennt man Edmund unter verschiedenen Namen. Die einen nennen ihn „den Krähenmann“, andere „den Waldnarren“, und manche sprechen von „Crowe mit der krummen Zunge“.
Kinder werfen ihm manchmal Steine nach. Erwachsene schicken ihre Kinder zu ihm, wenn sie sich verletzt haben.
Unter fahrenden Händlern, Bettlern und Fuhrleuten besitzt Edmund einen besseren Ruf als bei den wohlhabenden Bürgern. Die Armen wissen, dass er sie nicht fortschickt, wenn sie nicht bezahlen können.
Einige Dorfbewohner halten ihn für verrückt. Andere glauben, er sei mit Hexen im Bunde. Wieder andere behaupten, er könne Krankheiten aus dem Körper ziehen, wenn man ihm dafür eine schwarze Feder gebe.
Edmund selbst hält von den Gerüchten wenig. Er weiß jedoch, dass ein schlechter Ruf manchmal nützlich sein kann. Menschen lassen einen Verrückten eher in Ruhe. Und sie fragen weniger nach, wenn er nachts mit einer Tasche voller Knochen durch den Wald geht.
